January 24, 2006 by edda
Das wasser fliesst unerlaesslich den nil entlang und meine zeit in kairo rinnt genauso seicht aber gewiss dahin – es waren wochen voller input in jeglicher hinsicht, in sachen sport, menschen und aegyptischer lebenskultur. Diesmal wurden mir einblicke in ganz private sphaeren gewaehrt, die ich zu schaetzen weiss und wie ein kleines vermoegen anlegen werde. Mein Konto voll aegyptischer Erlebnisse hat sich unglaublich vermehrt und mich in vielerlei hinsicht bereichert!
nun ist aber hoechste zeit fuer verarbeitung und output und dafuer brauch ich mein heimatland, dass mir luft und ruhe fuer besinnung gibt. ich hoffe nur dass mein mind nicht festfriert bei solch unmenschlichen temperaturen. ich versuch mein bestes um ein lauwarmen windhauch mit hinueber zu retten, in der hoffnung, dass er ein paar sekunden ueberlebt.
ich freu mich auf euch und das update des verpassten.
salam alaikum al-qahira, haschufik tanni, inschallah
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January 18, 2006 by edda
Die nächsten Tage steht Kairo ganz im Zeichen der Buchmesse und des Afrika-Football-Cups und ich selbst alsbald im Abseits. Der Abschied ist tagtäglich präsent und meine letzte Woche vollgestopft mit Meetings von Freunden und Frauen! Da bleibt also kaum Zeit für Melancholie und Abschiedsszenerien, die unweigerlich auf mich zu kommen werden. Eine Möglichkeit als Tänzerin an der Oper bis Mai hier zu verweilen habe ich in den Wind geschlagen, wenn auch nur ungern. Aber wer soll sich den sonst weiterhin um den ägyptischen Frauensport kümmern, wenn nicht Captain Nadine.
Zur Zeit bin ich umgeben von Kampfsportlerinnen, die hier regen Zuwachs verspüren, zumal die Weltmeisetrin im Kick-Boxen und Kung Fu aus Kairo kommt und mir Rede und Antwort gestanden hat. Gegen jedes Klischee herrscht hier eine reger Sportbetrieb und all meine Informantinnen sind hell auf begeistert von meiner Forschung und unwahrscheinlich redebedürftig.
Es gibt mittlerweile genug gute Gründe, die für ein Rückspiel auf kairener Erde sprechen – soweit zumindest eine Momantaufnahme von Eddas Gedankengängen, die den Übergang in den Okzident erleichtern sollen. Und wie sagt man hier so schön: Wer einmal aus dem Nil getrunken hat, wird immer wieder zurückkehren.
Entschuldigt mich, aber ich habe noch eine Verabredung mit Gevatter Nil – Prost!
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January 11, 2006 by edda
Juten Tag och alle zusammen – Thanks a lot for all Birthday-Grüße & news from abroad are coming up!
Das Leben zwischen zwei Kulturen bringt so einiges an ungeahnten Festivitäten mit sich. Nachdem alle okzidentalen Zeremonien des Weihnachts- und Neujahrsfest mit einigen locationsbedingten Abstrichen gebührend begangen wurden, stehen nun all zu heilige muslimische Tage ins Haus. Das Opferfest ist nichts für vegetarische Gemüter wie meiner eins und schauderhafte Szenen im Morgengrauen wurden mir prophezeit.
Seit gestern ist der Schlacht-Spass im Gange und ich bewege mich zwischen Neugier und Abscheu. Voller Stolz hat mir Ahmed´s Familie (alte Bekannte) die Zunge der Kuh präsentiert, die sie gerade aus dem vor mir liegenden Kuhkopf entfernten. Was das ganze wirklich skurril erscheinen ließ, waren die digitalen Photos von den Kinder der Familie, thronend auf dem toten Tier. Die Grenzen zwischen Traditionen und Moderne sind hier fließender als alles bisher gesehene.
Jedenfalls herrscht eine bezauberte Ruhe in den sonst so überlaufen Strassen und selbst der Falaffellmann vor der Tür, der sonst nie sein Öl erkalten läßt, hat seine Pforten geschlossen – denn es ist Fleischzeit!
Noch weiter 3 Tage ist die ganze islamische Welt in Feierlaune und ich kann mich gerade nicht vor Gastfreundlichkeit retten – jeden Tag steht eine andere Einladung auf meinen Programm, der Forschung sei dank. Apropos, mittlerweile habe ich 7 brauchbare und informative Interviews von sportiven Kairenerinnen, al hamdulillah!
Yalla! Der Interview-Essen-Marathon goes on and on and on…
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January 5, 2006 by edda
„Gesundes Neues“ – oder bei eins zu eins – Dolmetsching = Jedes Jahr Und Euch Gut! Ich sprechen auch bald nicht mehr deutsch gut, wegen Sprachen zu viel mix hier! Let´s try – Ich hoffe Ihr seid alle Mann und Frau (Sorry für den Einschub – Berufskrankheit) gut rein gerutscht und habt rechtzeitig die Bremse gefunden.
Meine Wenigkeit hat 2006 eine Stunde früher willkommen gehiessen, umringt von einem Auflauf ägyptischer Jugendlicher (zumindest der Teil, der nachts die Öffentlichkeit aufsuchen kann oder darf – also allerhand Mann) auf einem Open-Air Konzert des hier umjubelten Musikers Mohammed (who else) Mounir. Bevor ich abreise werde ich noch ein paar Hörproben von ihm in Beschlag nehmen, denn neben dem täglichen Gedudel der allseits beliebten ägyptischen Schlager, ist er eine willkommene Abwechslung für meine gescholtenen Ohren.
Ihr fragt Euch bestimmt schon wie es um meine eigentliche Mission steht – nun gerade heute hatte ich wieder ein höchst interessantes Interview mit einer Ex- Karate-Meisterin und das ganze auf deutsch. Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder, nachdem tagelang meine Arabischkenntnisse und die Englischkenntnisse meiner Informantinnen eine tiefgehende Forschung verhinderten. Karate erfreut sich hier übrigens immenser Popularität und hat die meisten Mitgliederzahlen aller ägyptischen Verbände (trotzdem ist König Fußball Herrscher aller Sportländereien und das eigentliche Übel des ägyptischen Sportsystems, denn alle materiellen und ideellen Ressourcen landen im Fußballtor).
Al-Hamdullilah (ggf. Auch gott sei dank) kann ich auch meiner eigenen Passion frönen – hab nämlich Zutritt zur hiesigen Modern Dance Company und bin jederzeit herzlich willkommen an dem ausgesprochenen exzellenten Tanztraining teilzunehmen. Kurzum, Langeweile kommt nicht auf und der Rückflug nach LE liegt für mein derzeitiges Empfinden etwas zu nah – obwohl meine Lungen ein bisschen frische Luft durchaus vertragen könnten (röchel), schliesslich werden auch sie morgen ¼ Jahrhundert.
Neuigkeiten aus dem Leben einer 25-jährigen gibt es frühestens ab morgen – bis dahin mollig-warme Stunden mit allerelei Heißgetränken, während ich mein tägliche Mango-Eisportion vernasche!
Gehabt Euch wohl – die @da
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December 31, 2005 by edda
Das Wort des Tages – mit dem unvergleichlichen deutschen „Prost“ gleichzusetzen. Überhaupt haben die internationalen Trinksprüche nur wenig gemein – ob nun cheers, nastrowje, salute oder eben fisahadak – ich wünsch Euch allen ein fröhliches Begiessen Eurer trockenen Kehlen und eine maximale Anzahl von Vorsetzen, damit wenigstens einer Ende 2006 Bestand hat
Ich hab es in diesem Jahr auch noch geschafft auf dem Rücken eines Dromedars durch die Wüste entlang der Pyramiden zu schaukeln – es war keine Offenbarung, aber durchaus ein Erfüllung ägyptischer Klischees. Viel bemerkenswerter war für mich eher die Hinfahrt im Microbus, wo hitzig über Menschenrechte, die Vogelgrippe und Tomatenpreise diskutiert wurde. (so zumindest die Übersetzungen meiner beiden Begleiter Islam und Mustafa) Öffentliche Verkehrsmittel scheinen recht beliebt für politischer Diskussionen zu sein, abseits von der immerwährenden Präsenz des Militärs das allseits und überall in Kairo in schwarzen Uniformen umherschwirrt.
Abseits vom Frauensport, der sich zur Zeit mangels genügender Englischkenntnisse etwas zäh gestaltet, gibt es hier also andere hoch interessante Forschungsecken, die meine Aufmerksamkeit nicht weniger fesseln. Die Sprache zu sprechen ist also ein Muss und mein erster Vorsatz für 2006!
Challas – heisst hier soviel wie gut jetzt - und damit will ich Euch ins nächste Jahr entlassen, auf das Ihr meine Seite auch demnächst weiterhin frequentiert.
Inschallah, gute Reise nach 2006!
(So zumindest dem Gesichtsausdruck von Jean Luc Picard zu urteilen, der dank Sebastian über meinen Bett hängt – Schukran an meinen Leibzscher Kairogefährten)
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December 24, 2005 by edda
Heilig Morgen in Kairo – obwohl auf dem Balkon sitzend, habe ich mich in den (Schlaf)Sack eingemummelt, der hier wahrscheinlich die größte Assoziation zum heimatlichen Weihnachten herstellt – es ist also eher herbstlich als hitzig und Christmas wird heute lediglich von den asiatischen Mitbewohnern im Hostel mit viel Essen und Alkohol zelebriert.
Sebastian und ich symbolisieren hier also das europäisches Eiland im Dschungel der fern- und nahöstlichen Asiaten bzw. Nordafrikanern und beim morgendliche Frühstück mit frischen Erbeeren und Melonen, will auch keine so richtige Stollenstimmung aufkommen. Aber noch ist nicht aller Tage Heilig Abend und alsbald werde ich mich auf ein paar weihnachtliche Zimt- und Kardamonspuren machen.
Die Turnschuhspuren werden wohl heute im Wüstensand versanden, gleichwohl es genügend zu erforschen gebe – aber Heilig Abend ist nun mal heilig genug, um guten Gewissens das Diktiergerät zu beurlauben.
Ich wünsch Euch allen gesegnete Tage, reich an innerer Hitze für kuschelige Stunden vorm Kamin (ggf.vorm Heizkörper) – und trinkt den ein oderen anderen Glühwein für mich mit!!
Salam alaikum
نادين (nadine)
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December 22, 2005 by edda
Diesem Mann muss einfach ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Seiner Meinung nach ist er mein „muftah“ (Schlüssel) in dieser Stadt – sein Name soll mir alle Türen öffnen. Zumindest wirkt es Wunder am Eingang zu „seinem“ Sportclub Zamalek, einem der beiden berühmtesten (Fussball) Clubs in Kairo.
Als Ex-Nationalmannschaftspieler in den 60er Jahren hat er natürlich unzählige Geschichten in seinem Englisch-Kauderwelsh zu erzählen, die ich mir geduldig anhöre, um ihm nebenbei immer mal ein Frage über die Frauen im Club unterzuschieben. Sein Lieblingskommentar dazu ist mehr eine Geste als alles andere. Seine Wangen plustern sich auf, eine behäbige Gebärde und das Wort FAT kommt zum Vorschein – „Egyptian women fat“.
Davon werde ich mich nachher noch selbst überzeugen, wenn ich die Frauenmannschaften in Basketball, Volleyball und Handball observieren werde.
Jedenfalls habe ich es hier mit einer höchst bizarr-amüsanten Persönlichkeit zu tun, über die alleine man schon eine Soziologische Studie schreiben könnte. Für mein Anliegen leider jedoch uninteressant, geschlechtsbedingt.
Mein erstes Interview ist übrigens im Kasten und die Schlange der Interviewwilligen wächst, und ich kann nur hoffen, dass ich Heilig Abend nicht im Dienste der Wissenschaft stehe. Mein Leibzscher-Hostel-Nachbar Sebastian versucht noch irgendwo her eine Kerze zu besorgen (was nicht all zu einfach ist) um uns in der Wüste ein kleine Weihnachtsoase zu schaffen. Advent, Advent ein Lichtlein brennt auch in Chaos-City!
Heitere Beschenkungen und gut verdauliche Mahlzeiten wünscht die Christmas-Außenstelle KAIRO!
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December 19, 2005 by edda
meine muskeln beginnen langsam zu muskelkatern, nachdem ich gestern meine erste teilnehmende beobachtung vollzogen habe. ganze 4 stunden war ich gastmember einer DER fitnessclubs in cairo mit unvergleichlichen nilblick (ein dickes dankeschoen an dieser stelle an nora, meiner tueroeffnerin in die high society der kairener gym-szene) und hab mich an stretch- und kickboxingkursen ins forschungsfeld begeben. der standard ist really westernized, mal abgesehen von dem gebetsteppich und der darauf knieneden frau in der umkleide.
noch 3 mal steht es mir frei im gold’s club allen moeglich neuzeitlichen fitnesskulten zu froenen und mich stundenlang im WET-Bereich mit sauna, steamer und whirpool rumzutreiben. die erste interviewzusage ist auch schon in sack und tueten und die verbindungen zu aegyptischen sportsmenschen beginnen sich zu entwickeln.
heute erst wurde mir von einem hiesigen journalisten zugesteckt, dass frauen hier eher zusammenhocken und reden als ihren hintern zu bewegen – nun ja, um mich herum seh und hoere ich aber nur quasselnde maenner die nicht mehr als mit den augenlidern klimpern. wir haben es hier also mit einem kulturellen phaenomen zu tun, dem sogenannten zungen- und mundsport, ein neues forschungfeld tut sich vor mir aus!
ich beende die sitzung mit den wortfetzen im hintergrund: yalla habibi!
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December 16, 2005 by edda
Der gemeine Aegypter wuerde in meiner situation ein “kullu tamam” von sich geben, was soviel heisst wie alles in butter!
Nach einem 15 h Ritt nach westen quer durch die pampa sind andreas und ih vor 5 tagen in der sagenumwobenen (an dieser stelle gruesse an unsere vorgaenger daniel und marcus) Oase Siwa gelandet, wo es mich erstmal flachgelegt hat. So war ich anfangs kaum empfaenglich fuer dieses seelenheil auf aegyptischen territorium und fand mich im schatten eines tempels wieder, die packungsbeilage meiner arznei studierend.
Im garten des palmtrees-hostels fand ich jedoch wieder zu kraeften mit hilfe der ueberaus ehrlichen gastfreundlichkeit der dort lebenden berber, die sich eher als siwa-people fuehlen, als dem aegyptischen volk verbunden.
Ueberhaupt ticken die uhren in siwa anders, wenn sie denn ticken. Mal abgesehen von ein paar pick-ups und stromleitungen ist das mittelalter in siwa lebendig. Die eselkarren auf denen neben datteln und oliven auch pyramiden-anmutendene verschleierte frauen transportiert werden, haben einen bleibenden eindruck hinterlassen.
Genauso wie die Jeep-Safari vorbei an heissen quellen (deren 50 grad wasser nur andreas stand gehalten hat), kalten quellen, die zum baden einluden und sandduenen, die erklimmt werden wollten. Wer glaubt in der wueste herrschen tropische temperaturen, der sollte zumindest nicht den platz auf dem jeepdach einnehmen, wo mir fast das gehirn aus nasen- und ohrenloechern geblasen wurde.
Aber frischer wind vor der rueckkehr Kairo kann nie schaden, wo ich nun wider gelandet bin und dabei bin mich heimisch zu fuehlen. ich hab den selben blick wie frueher auf die marktstrasse und meiner einer wird sogar von dem einen oder anderen aegypter wiedererkannt!
Gestern war ich sogar zeuge einer aegyptischen oper, wobei die arabische sprache nicht unbedingt fuer operngesang praedistiniert ist - es war aber ein interessanter einblick in gehobener aegyptische abendgestaltung.
Jetzt heisst es sich auf die spuren des sports zu begeben !Ein kraeftiges Sport Frei in das Adventsreiche Deutschland
@da
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December 9, 2005 by edda
nun liegt sie vor mir, die erste arabische tastatur seit 3 jahren und draussen vor der tuer hupt und stinkt es wie eh und je!
nach einer anstrengenden anreise, die mich ueber die betonwuesten von hurghada und sharm el sheikh fuehrte, bin ich in der nacht in good old cairo angekommen.
auf entdeckungsreise durch alte strassen, cafes und hostels sind alte bekannte gesichter aufgetaucht, wie der alt bekannte schischamann oder der vermummte typ vor meiner alten behausung (sultan).
bevor es auf die spuren der turnschuhe geht, nutze ich die anwesenheit von andreas, um morgen einen abstecher in die oase siwa zu wagen. cairo gleich wieder zu verlasasen faellt nicht so schwer, den das chaos ist nicht weniger geworden und meinereiner ist eben auch nicht mehr der hardcoretraveller!
in der abgeschiedenheit siwas (nahe der libyschen grenze) kann ich nochmal energie tanken und gedanken ordnen um gezielt dem eigentlichen cairoaufenthalt rechnung zu tragen – den sportsfrauen ein sprachrohr (ggf. diktiergeraet) zu verleihen.
melde mich zurueck nach dem oasieren – bis dahin nutzt die zeit fuer kommentare, gruesse und deutschlandnews!
ma salama
@da
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